Einzelhaltung oder Mehrkatzenhaushalt?

Ja, das ist wieder so ein schönes Thema, an dem sich die Geister scheiden.
Grundsätzlich plädieren wir immer für den Mehrkatzenhaushalt. In Einzelhaltung würden wir unsere Kitten gar nicht und die erwachsenen Katzen nur unter ganz besonderen Bedingungen abgeben.
Wir selber empfänden jetzt auch zwei Katzen mittlerweile als viel zu wenig.

Aber das ist natürlich nur, was wir für uns selber gut finden.

Mehrkatzenhaushalt

Es ist schon so, dass auch Katzen Gewohnheitstiere sind. Wenn sie aus einer großen Gruppe kommen und sozial sind, kann man als Mensch ihnen die Katzengesellschaft einfach nicht ersetzen. Wir haben aber auch Katzen hier, die schon seit über einem Jahr bei uns sind und trotzdem zu den anderen Katzen keine engen Kontakte pflegen. Es sind dann aber immer jene Katzen, die auch bei den Menschen noch sehr scheu sind. Deshalb sieht es zwar auf den ersten Blick so aus als wenn man genau diese Katzen gut als Einzelkatzen in einen geduldigen Haushalt vermitteln könnte. Aber erstens können wir bei solchen Katzen nie vorhersagen, ob sie überhaupt je ganz zahm werden. Und wer würde sie dann noch nehmen wollen? Und zweitens glauben wir, dass diese Katzen trotzdem von der Gesellschaft anderer Katzen profitieren. Wenn sie mit ihrem ohnehin verminderten Selbstwertgefühl aus der ihnen vertrauten Gruppe gerissen werden und sich irgendwo, wo sie weder Mensch noch Tier noch Umgebung kennen, zurechtfinden sollen, kann das für ihre Entwicklung ganz massive negative Auswirkungen haben. Wir haben Katzen, bei denen wir glauben, dass sie einen Umzug von uns weg und in eine fremde Umgebung mit absolutem Rückzug quittieren würden. Sie würden sich quasi aufgeben.

 

Raubtierfütterung

Raubtierfütterung

 

Wir hatten einen Kater, der bei uns als Freigänger ganz zufrieden gelebt hat. Er hatte aber weder zu uns noch zu den anderen Tieren irgendwelche erkennbaren Sozialkontakte. Für diesen Kater hatten wir eine ältere Frau gefunden, die es mit ihm versuchen wollte. Er sollte nach entsprechender Eingewöhnungszeit Freigang bekommen, die Nachbarn hatten drei soziale Katzen in seinem Alter, die bei der Frau auch häufig ein und aus gingen. Es schien alles perfekt, denn diese Frau hatte doch viel mehr Zeit für unseren süßen Kater. Leider ist er dort nach 4 Wochen in einem unbeobachteten Moment durch die Kellertreppe entkommen und nie wieder aufgetaucht. Er hat sich für ein Leben ohne Menschen als Einzelgänger entschieden. Nach dieser sehr schmerzlichen Erfahrung tun wir uns sehr schwer damit eine von den scheueren Katzen zu vermitteln. Solange sie hier zufrieden leben und alles haben, was sie benötigen, möchten wir dieses Risiko nicht noch mal eingehen.

Raubtierütterung

Besonders für die ganz kleinen ist der Sozialke Kontakt zu gleichaltrigen wichtig

Dann gibt es natürlich auch noch Katzen, die jahrelang als Einzelkatze gelebt haben und nun auf andere Katzen nicht mehr gut zu sprechen sind. Es ist ja sowieso immer schon so, dass es eine gewisse Zeit braucht, bis sich fremde Katzen aneinander gewöhnen. Katzen, die als Einzelkatzen aufgewachsen sind, haben darüber hinaus aber auch leider nichts vom kätzischen Sozialverhalten gelernt. Nun gibt es Menschen, die der Meinung sind, dass es sich auch dann auf jeden Fall lohnt, diesen Katzen noch einen kätzischen Partner an die Seite zu geben. Das können wir so pauschal nicht beurteilen.

Früher hat man Katzen noch viel häufiger alleine gehalten als heute. Viele dieser Katzen sind trotz minderwertiger Nahrung, und obwohl sie einzeln gehalten wurden – teilweise auch noch in reiner Wohnungshaltung – also mit so ziemlich allem, bei dem sich unsere Nackenhaare sträuben –  trotzdem 17, 19 oder über 20 Jahre alt geworden. Ich gehe nun nicht so weit zu glauben, dass minderwertige Nahrung dann die bessere Alternative ist, aber ich muss doch eingestehen, dass es nicht nur genau DEN Weg gibt. Deshalb geben wir einige besondere Katzen auch schon mal in Einzelhaltung ab – wenn es für uns vertretbar erscheint. Wir müssen ja auch bei der Ernährung Zugeständnisse machen. Trotzdem muss es für uns passen, und wir müssen ein gutes Gefühl dabei haben. Es ginge zum Beispiel gar nicht, ein Kitten oder eine noch sehr junge Katze in Einzelhaltung abzugeben. Und nur unter ganz besonderen Umständen geben wir ein Kitten zu anderen Katzen, die keine Kitten mehr sind. Das geht nur, wenn die anderen Katzen noch sehr jung sind, auch selber noch gerne spielen, und wenn zusätzlich die Familie auch viel Zeit für das Kitten hat.

Mia

 

  Mia, als sie bei uns noch unter der Couch lag.

 

 

 

Ein positives Beispiel für eine Katze. die wir in Einzelhaltung abgegeben haben, war Mia. Sie war in Rheindahlen aus einem fahrenden Auto geworfen worden. Nachdem eine Frau sie dort einige Tage lang gefüttert hatte, schrieb sie mich an und bat um Hilfe. Ich lieh ihr eine Falle und schon nach wenigen Stunden hatte sie die Katze gefangen, die sie aber selber nicht aufnehmen konnte. So kam Mia erst mal zu uns. Sie versteckte sich im Wohnzimmer unter der Couch, und auch wenn sie einige Monate bei uns war, kam sie immer nur zum Fressen hervor. Dann strich sie um unsere Beine und ließ sich streicheln. Gegen die anderen Katzen wurde ihre Ecke verteidigt, und sie versuchte auch ihr ‚Revier‘ auszuweiten. Letztendlich zog sie zu einem berufstätigen Ehepaar mit einem schönen großen Haus in ruhiger Wohnlage, wo sie alle Zeit der Welt bekam um sich einzugewöhnen. Ihr stand ein beheizter Wintergarten zur Verfügung, in den sie sich zurückziehen konnte, wenn sie ihre Ruhe wollte. Als sie heimisch geworden war, konnte sie durch eine Katzenklappe frei wählen, ob sie sich drin oder draußen aufhalten wollte. Mia ist dort glückliche Einzelprinzessin. Und die Leute, obwohl sie super nett sind, hätten keine von unseren anderen Katzen haben können, denn diese hätten andere Bedürfnisse gehabt.

 

Es gibt natürlich auch wieder Bücher, die sich mit dem Thema beschäftigen.

Bei Amazon.de findet man z.B. Miez, miez – na komm! … ein Buch, dass viele Tipps für Katzenhalter mit Wohnungskatzen bietet,

Aller guten Katzen sind…? welches als Nachfolger von Miez, miez speziell auf den Mehrkatzenhaushalt eingeht,

Gemeinsam schnurrt sich’s besser: Der Mehrkatzenhaushalt

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