Einzelhaltung oder Mehrkatzenhaushalt?

Ja, das ist wieder so ein schönes Thema, an dem sich die Geister scheiden.
Grundsätzlich plädieren wir immer für den Mehrkatzenhaushalt. In Einzelhaltung würden wir unsere Kitten gar nicht und die erwachsenen Katzen nur unter ganz besonderen Bedingungen abgeben.
Wir selber empfänden jetzt auch zwei Katzen mittlerweile als viel zu wenig. Aber das liegt natürlich in unserer besonderen Situation mit den vielen Katzen begründet.

Mehrkatzenhaushalt

2 scheue Kitten, die sich erst bei uns kennengelernt haben

Es ist schon so, dass auch Katzen Gewohnheitstiere sind. Wenn sie aus einer großen Gruppe kommen und sozial sind, kann man als Mensch ihnen die Katzengesellschaft einfach nicht ersetzen. Wir haben aber auch Katzen hier, die schon seit über einem Jahr bei uns sind und trotzdem zu den anderen Katzen keine engen Kontakte pflegen. Es sind dann aber immer jene Katzen, die auch bei den Menschen noch sehr scheu sind. Deshalb sieht es zwar auf den ersten Blick so aus als wenn man genau diese Katzen gut als Einzelkatzen in einen geduldigen Haushalt vermitteln könnte. Aber erstens können wir bei solchen Katzen nie garantieren, dass sie überhaupt je ganz zahm werden (Und wer würde sie dann noch nehmen wollen?),  und zweitens glauben wir, dass diese Katzen trotzdem von der Gesellschaft anderer Katzen profitieren. Wenn sie mit ihrem ohnehin verminderten Selbstwertgefühl aus der ihnen vertrauten Gruppe gerissen werden und sich irgendwo, wo sie weder Mensch noch Tier noch Umgebung kennen, zurechtfinden sollen, kann das für ihre Entwicklung ganz massive negative Auswirkungen haben. Wir haben Katzen, bei denen wir glauben, dass sie einen Umzug von uns weg und in eine fremde Umgebung mit absolutem Rückzug quittieren würden. Sie würden sich quasi aufgeben.

Diese Meinung müssen wir jetzt ein wenig revidieren. Sie mag im Allgemeinen immernoch zutreffend sein, aber in unserem Fall haben die Katzen aus 2015 hier ein wenig die Führung übernommen. Sie sind so zutraulich und menschenbezogen, dass sie mit großer Eifersucht reagieren, und alle Katzen, die sich das gefallen lassen, einfach verjagen. Unsere älteren zahmen Tiere zeigen sich davon unbeeindruckt. Die scheuen Katzen allerdings trauen sich nicht mehr so Recht ins Haus, und das, obwohl sie älter, größer und gewiss auch stärker sind. Aber sie meiden den Konflikt und gehen den unteren Weg, obwohl es für sie bedeutet, dass sie sich viel mehr draußen aufhalten als es ihnen lieb ist und als gut für sie ist und sie dadurch jedem Wetter ausgesetzt sind. Deshalb suchen wir jetzt dringend Plätze für unsere scheuen Tiere. Es gilt aber weiterhin, dass auch die meisten dieser Tiere im Allgemeinen lieber mit einem freundlichen Artgenossen als in Einzelhaltung leben möchten.

Raubtierfütterung

Raubtierfütterung

Wir hatten einen Kater Mino, der bei uns als Freigänger ganz zufrieden gelebt hat. Er hatte aber weder zu uns noch zu den anderen Tieren irgendwelche erkennbaren Sozialkontakte. Für diesen Kater hatten wir eine ältere Frau gefunden, die es mit ihm versuchen wollte. Er sollte nach entsprechender Eingewöhnungszeit Freigang bekommen, die Nachbarn hatten drei soziale Katzen in seinem Alter, die bei der Frau auch häufig ein und aus gingen. Es schien alles perfekt, denn diese Frau hatte doch viel mehr Zeit für unseren süßen Kater. Leider ist er dort nach 4 Wochen in einem unbeobachteten Moment durch die Kellertreppe entkommen und nie wieder aufgetaucht. Er hat sich für ein Leben ohne Menschen als Einzelgänger entschieden.

Update: Mino wurde nach über einem Jahr bei einem Tierarzt vorgestellt. Dieser las den Chip aus und informierte Tasso. Tasso wiederum informierte uns. Die ältere Frau hatte Mino noch nicht auf ihren Namen angemeldet. Da wir wussten, dass sie mittlerweile eine andere Katze und kein Interesse mehr an Mino hatte, nahm ich Kontakt mit den Findern von Mino auf. Es war eine sehr nette Familie, die mir Folgendes erzählte: Mino lief schon seit dem letzten Sommer (bei dem Gespräch war es Frühjahr) bei den Leuten im Garten rum und näherte sich immer mehr an. Der eigene Kater hatte keine Probleme mit Mino, sondern wohl im Gegenteil sogar Freundschaft mit ihm geschlossen. Die Familie fütterte Mino mit, nannte ihn Blacky und beobachtete einfach weiter, da Mino sich nicht anfassen ließ. Eines Tages, Mino hatte es mittlerweile bis in den Wintergarten geschafft, wollte die Frau mit ihrem eigenen Kater zum Tierarzt. Sie fand dann Mino im Transportkorb schlafend vor und nutzte die Chance geistesgegenwärtig, um ihn darin festzusetzen und ebenfalls zum Tierarzt zu bringen. Dort sagte sie, dass ihr das Tier zugelaufen war, weshalb der Tierarzt nach dem Chip suchte.

Die Familie war sehr froh, dass sie Mino/Blacky behalten konnte, denn sie hatten sich alle schon an ihn gewöhnt. Und mir schien es das Beste zu sein, da Mino sich das Zuhause selbst gesucht hatte, und bei uns immer noch viele, für ihn uninteressante Katzen waren.

Raubtierütterung

Besonders für die ganz kleinen Kätzchen ist der soziale Kontakt zu gleichaltrigen Katzen wichtig

Dann gibt es natürlich auch noch Katzen, die jahrelang als Einzelkatze gelebt haben und nun auf andere Katzen nicht mehr gut zu sprechen sind. Es ist ja sowieso immer schon so, dass es eine gewisse Zeit braucht, bis sich fremde Katzen aneinander gewöhnen. Vom Ursprung her sind Katzen Einzelgänger. Dochin ihrem Ursprungsland lebten sie ein ganz anderes Leben als unsere Hauskatzen, weshalb man dieses Einzelgängertum unserer Meinung nach nicht eins zu eins auf unsere Hauskatzen übertragen kann. Unsere Hauskatzen brauchen kätzischen Kontakt und einen Spiel- und Kuschelgenossen.

Katzen, die als Einzelkatzen aufgewachsen sind, haben aber leider nichts von katzentypischer Körpersprache und Sozialverhalten gelernt. Nun gibt es Menschen, die der Meinung sind, dass es sich auch dann auf jeden Fall lohnt, diesen Katzen noch einen Katzenpartner an die Seite zu geben. Das können wir so pauschal nicht beurteilen. Wir gehen aber davon aus, dass ein Versuch sehr viel Zeit und Nerven kosten wird, und der Ausgang ungewiss bleibt.

Früher hat man Katzen noch viel häufiger alleine gehalten als heute. Viele dieser Katzen sind trotz minderwertiger Nahrung, und obwohl sie einzeln gehalten wurden – teilweise auch noch in reiner Wohnungshaltung – also mit so ziemlich allem, bei dem sich unsere Nackenhaare sträuben –  trotzdem 17, 19 oder über 20 Jahre alt geworden. Ich gehe nun nicht so weit zu glauben, dass minderwertige Nahrung dann die bessere Alternative ist, aber ich muss doch eingestehen, dass es nicht nur genau DEN Weg gibt. Deshalb geben wir einige besondere Katzen auch schon mal in Einzelhaltung ab – wenn es für uns vertretbar erscheint. Wir müssen ja auch bei der Ernährung Zugeständnisse machen. Trotzdem muss es für uns passen, und wir müssen ein gutes Gefühl dabei haben. Es ginge zum Beispiel gar nicht, ein Kitten oder eine noch sehr junge Katze in Einzelhaltung abzugeben. Und nur unter ganz besonderen Umständen geben wir ein Kitten zu anderen Katzen, die keine Kitten mehr sind. Das geht nur, wenn die anderen Katzen noch sehr jung sind, auch selber noch gerne spielen, und wenn zusätzlich die Familie auch viel Zeit für das Kitten hat.

Mia

  Mia, als sie bei uns noch unter der Couch lag.

Ein positives Beispiel für eine Katze. die wir in Einzelhaltung abgegeben haben, war Mia. Sie war in Rheindahlen aus einem fahrenden Auto geworfen worden. Nachdem eine Frau sie dort einige Tage lang gefüttert hatte, schrieb sie mich an und bat um Hilfe. Ich lieh ihr eine Falle und schon nach wenigen Stunden hatte sie die Katze gefangen, die sie aber selber nicht aufnehmen konnte. So kam Mia erst mal zu uns. Sie versteckte sich im Wohnzimmer unter der Couch, und auch wenn sie einige Monate bei uns war, kam sie immer nur zum Fressen hervor. Dann strich sie um unsere Beine und ließ sich streicheln. Gegen die anderen Katzen wurde ihre Ecke verteidigt, und sie versuchte auch ihr ‚Revier‘ auszuweiten. Letztendlich zog sie zu einem berufstätigen Ehepaar mit einem schönen großen Haus in ruhiger Wohnlage, wo sie alle Zeit der Welt bekam um sich einzugewöhnen. Ihr stand zusätzlich ein beheizter Wintergarten zur Verfügung, in den sie sich zurückziehen konnte, wenn sie ihre Ruhe wollte. Als sie heimisch geworden war, konnte sie durch eine Katzenklappe frei wählen, ob sie sich drin oder draußen aufhalten wollte. Mia ist dort glückliche Einzelprinzessin. Und die Leute, obwohl sie super nett sind, hätten keine von unseren anderen Katzen haben können, denn diese hätte andere Bedürfnisse gehabt und wäre mit der langen Zeit, die sie täglich allein hätte verbringen müssen, unglücklich geworden.

Update: Auch Jahre später sind Mia und ihre Leute noch glücklich vereint. Mittlerweile haben wir auch Zoe in Einzelhaltung gegenben. Auch sie war menschenbezogen, konnte mit anderen Katzen aber nicht viel anfangen. Zoe lebt mit ihren Menschen, die auch beide berufstätig sind, glücklich in Düsseldorf. Ihre Menschen haben nicht die gleichen Arbeitszeiten, was es einfacher macht, die Katze nicht so lange alleine zu lassen.

Mia und Zoe sind also zwei Beispiele für glückliche Einzelkatzen. Wir geben aber zu Bedenken, dass es sich bei beiden Katzen um ausgewachsene Tiere handelte. Bei Zoe wissen wir nichts von ihrem Hintergrund. Sie tauchte eines schönen Tages einfach an der Futterstelle in Lövenich auf. Eventuell war sie auch vorher schon Einzelkatze. Bei Mia hingegen denken wir, dass sie vorher mindestens mit einer anderen Katze zusammengelebt hatte, denn mit ihr zusammen war noch ein Kater aus dem Auto geworfen worden. Dieser wurde ebenfalls gesichert, kam aber auf eine andere Pflegestelle.

Es gibt natürlich auch wieder Bücher, die sich mit dem Thema beschäftigen.

Bei Amazon.de findet man z.B. Miez, miez – na komm! … ein Buch, dass viele Tipps für Katzenhalter mit Wohnungskatzen bietet,

Aller guten Katzen sind…? welches als Nachfolger von Miez, miez speziell auf den Mehrkatzenhaushalt eingeht,

Gemeinsam schnurrt sich’s besser: Der Mehrkatzenhaushalt

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